Bitterstoffe
Die Wahrnehmung von Bitterstoffen diente ursprünglich dem Schutz vor giftigen oder verdorbenen Lebensmitteln. Präklinische Studien deuten jedoch darauf hin, dass Bitterstoffe über Rezeptoren im Magen-Darm-Trakt die Ausschüttung von Darmhormonen, die Magen-Darm-Motorik, die Nahrungsaufnahme und den Blutzucker positiv beeinflussen können. Langfristige Vorteile für das Körpergewicht oder die Blutzuckerkontrolle werden derzeit untersucht. Bitterstoffe sind keine einheitlich chemische Stoffgruppe. Gemeinsam ist ihnen, dass sie Bitterrezeptoren aktivieren. Beim Menschen gibt es etwa 25 verschiedene sogenannte TAS2R-Rezeptoren. Diese befinden sich unter der Zunge, im Magen-Darm-Trakt und in weiteren Geweben.
Ernährungsphysiologische Bedeutung von Bitterstoffen
Über die Bitterrezeptoren im Verdauungstrakt können Bitterstoffe möglicherweise die Magen-Darm-Motorik und die Ausschüttung von Verdauungs- und Sättigungshormonen wie Cholecystokinin und GLP-1 beeinflussen.
Cholecystokinin (CCK) wird vor allem im oberen Dünndarm ausgeschüttet, wenn Fett und Eiweiß in den Darm gelangen. Es bewirkt unter anderem, die Kontraktion der Gallenblase und damit die Abgabe von Gallenflüssigkeit zur Fettverdauung, die Freisetzung von Verdauungsenzymen aus der Bauchspeicheldrüse, eine verlangsamte Magenentleerung, und die Weiterleitung von Sättigungssignalen an das Gehirn.
GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide-1. Es wird überwiegend von spezialisierten Zellen im unteren Dünndarm und Dickdarm freigesetzt, wenn Nährstoffe in den Verdauungstrakt gelangen.
GLP-1, fördert abhängig vom Blutzuckerspiegel die Insulinausschüttung,
hemmt die Ausschüttung von Glukagon,
verlangsamt die Magenentleerung,
verstärkt das Sättigungsgefühl,
trägt zur Begrenzung des Blutzuckeranstiegs nach einer Mahlzeit bei.
Bitterstoffe könnten über Bitterrezeptoren im Darm die Freisetzung von CCK und GLP-1 positiv beeinflussen. Ob dieser Effekt durch normale Lebensmittelmengen ausreicht, um Sättigung, Körpergewicht oder Blutzucker relevant zu verändern, ist bislang jedoch noch nicht eindeutig geklärt. Die Wirkung scheint von der jeweiligen Substanz, der aufgenommenen Menge und dem Ort ihrer Freisetzung im Verdauungstrakt abzuhängen.
Fazit:
Über die Aktivierung von Bitterrezeptoren im Magen-Darm-Trakt könnten Bitterstoffe an der Regulation des Körpergewichts beteiligt sein. Die bisherigen Ergebnisse aus Humanstudien sind jedoch noch uneinheitlich und erlauben keine eindeutige Aussage darüber, ob Bitterstoffe langfristig zu einer Gewichtsregulation beitragen können. Bitterstoffreiche Lebensmittel können dennoch eine Bereicherung der Ernährung sein und diese sinnvoll ergänzen. Sie sollten jedoch nicht als einzelne Maßnahme zu einer Gewichtsreduktion gesehen werden.