Altern ist ein komplexer biologischer Prozess, bei dem die körperliche Funktionsfähigkeit im Laufe der Zeit allmählich nachlässt und das Risiko für verschiedene Erkrankungen zunimmt. Gleichzeitig wächst der Anteil älterer Menschen an der Weltbevölkerung. Damit gewinnen auch altersbedingte und chronische Erkrankungen zunehmend an Bedeutung, sowohl für den Einzelnen als auch für das Gesundheitssystem und die Gesellschaft.
Die Forschung beschäftigt sich daher intensiv mit der Frage, welche Prozesse dem Altern zugrunde liegen, wie sie sich messen lassen und welche Faktoren ein gesundes Altern unterstützen können.
Wie weit sind die Alterungsprozesse unseres Körpers tatsächlich fortgeschritten?
40 Jahre alt - aber biologisch jünger?
Menschen altern nicht alle gleich. Zwei Personen können beide 40 Jahre alt sein und sich dennoch hinsichtlich Stoffwechsel, körperlicher Leistungsfähigkeit und verschiedener biologischer Merkmale deutlich unterscheiden.
Genau hier setzt das Konzept des biologischen Alters an. Statt ausschließlich auf das Geburtsdatum zu schauen, werden bestimmte Biomarker betrachtet, die mit Alterungsprozessen zusammenhängen. Daraus versuchen Wissenschaftler abzuleiten, ob der Organismus im Vergleich zum chronologischen Alter eher „jünger“ oder „älter“ erscheint.
Dabei gibt es allerdings nicht das eine biologische Alter, das sich einfach messen lässt. Je nach wissenschaftlichem Ansatz werden unterschiedliche Parameter herangezogen.
Wie lässt sich das biologische Alter bestimmen?
Zur Einschätzung des biologischen Alters wurden verschiedene sogenannte „Aging Clocks“ entwickelt. Sie basieren beispielsweise auf Blutwerten, epigenetischen Veränderungen der DNA, Genaktivität oder Kombinationen verschiedener physiologischer und molekularer Marker.
Besonders bekannt sind epigenetische Uhren. Sie untersuchen bestimmte chemische Veränderungen an der DNA, insbesonders der DNA-Methylierungen, deren Muster sich im Laufe des Lebens verändern. Mithilfe statistischer Modelle lässt sich daraus ein geschätztes biologisches Alter ableiten. Auch das Darmmikrobiom rückt zunehmend in den Fokus der Altersforschung. Die Zusammensetzung und Aktivität der Billionen Mikroorganismen im Darm verändern sich im Laufe des Lebens. Forschende untersuchen daher, ob charakteristische mikrobielle Muster ebenfalls Hinweise auf biologische Alterungsprozesse liefern können und wie diese mit einer gezielten Ernährung gesteuert werden könnten.
Welche Rolle spielen Ernährung und Lebensstil?
Während wir unser chronologisches Alter nicht beeinflussen können, hängen biologische Alterungsprozesse mit zahlreichen Faktoren zusammen. Dazu zählen unter anderem Ernährung, körperliche Aktivität, Schlaf, Rauchen, Alkoholkonsum, Stress und verschiedene Umweltfaktoren.
Kann man sein biologisches Alter zurückdrehen?
Regelmäßige Bewegung spielt eine wichtige Rolle für gesundes Altern. Studien, die das biologische Alter anhand von Veränderungen der DNA-Methylierung untersuchen, liefern Hinweise darauf, dass körperliche Aktivität mit einem günstigeren epigenetischen Altersprofil verbunden sein kann.
Bewegung wirkt sich dabei auf verschiedene Prozesse im Körper aus. Sie unterstützt z.B. die Funktion der Mitochondrien, diese sind Bestandteile unserer Zellen, die Nährstoffe in nutzbare Energie umwandeln. Deshalb werden sie auch als „Kraftwerke unserer Zellen“ bezeichnet. Bei ausreichender Bewegung verbessern wir unsere Durchblutung und können oxidativen Stress sowie chronische Entzündungsprozesse in unserem Körper reduzieren. Körperliche Aktivität trägt also maßgeblich dazu bei, die Funktionsfähigkeit unserer Zellen zu erhalten und altersbedingte Veränderungen zu verlangsamen.
Eine Studie zeigte eine geringe, aber signifikante Verringerung des DNAmAge - also des anhand der DNA-Methylierung geschätzten biologischen Alters, bei Personen, die sich vor allem mit magerem Fleisch, Fisch und pflanzlichen Lebensmitteln ernährten. Nach einem achtwöchigen Programm lag das gemessene DNAmAge der Interventionsgruppe im Durchschnitt 3,23 Jahre unter dem der Kontrollgruppe. Die Ergebnisse liefern Hinweise darauf, dass Ernährung und weitere Lebensstilfaktoren mit biologischen Alterungsprozessen zusammenhängen können.
Auch für eine ausgesprochen mediterrane Ernährungsweise wurden günstige Veränderungen bestimmter Marker des epigenetischen Alterns beobachtet. Darüber hinaus könnte eine längerfristige Kalorienreduktion die Geschwindigkeit biologischer Alterungsprozesse beeinflussen. In einer zweijährigen Studie, der CALERIE Studie (steht für Comprehensive Assessment of Long-term Effects of Reducing Intake of Energy) sollten die Teilnehmenden ihre Kalorienzufuhr um 25 % reduzieren, tatsächlich wurde im Durchschnitt eine Reduktion von etwa 12 % erreicht. Nach 12 und 24 Monaten zeigte sich eine um etwa 2 bis 3 % verringerte Alterungsgeschwindigkeit. Zur Bestimmung wurde die DunedinPACE-Alterungsuhr verwendet.
Fazit
Das chronologische Alter verrät uns, wie lange wir bereits leben. Das biologische Alter versucht dagegen zu beschreiben, wie unser Körper altert.
Moderne Forschungsansätze untersuchen dafür unter anderem epigenetische Veränderungen, Stoffwechselmarker und sogar das Darmmikrobiom. Die Ergebnisse zeigen vor allem eines: Das Alter ist wesentlich komplexer als die Zahl auf unserem Geburtstagskuchen.
Und während wir an unserem Geburtsdatum nichts ändern können, gehören viele Faktoren, die mit gesundem Altern in Verbindung stehen, besonders Bewegung und Ernährung aber auch ausreichend und regelmäßiger Schlaf sowie der Verzicht auf Rauchen und Alkohol durchaus zu den Dingen, die wir selbst beeinflussen können.